Mel, erzähl doch mal…

Wie ist das denn eigentlich im Schulalltag als Mensch mit Behinderung?
Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich die Frage im ersten Moment nicht so ganz verstanden habe, weil ich mir denke: „Was soll denn bei mir anders sein, als bei anderen?“. Aber klar, als Außenstehender ist meine Situation wahrscheinlich nicht so leicht nachzuvollziehen. Deswegen versuche ich euch in diesem Beitrag einen kleinen Einblick in meine Alltagssituationen zu geben.
Ich war von der 1. bis zur 6. Klasse im Papst Benedikt Förderzentrum der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg. Das ist eine Einrichtung für Kinder mit körperlichen und motorischen Einschränkungen. Neben einer guten schulischen Ausbildung und der individuellen Förderung, legt die Papst Benedikt Schule großen Wert auf Gleichberechtigung, sodass die Kinder und Jugendlichen an der Gesellschaft teilhaben können. Dort habe ich mich mit meiner Behinderung genauso angenommen gefühlt, als wäre ich ein ganz „normales“ Kind ohne Behinderung.
In der Früh bin ich mit einem Schulbus in die Schule gefahren. Natürlich war es ein Schulbus für Rollstuhlfahrer. Als ich in der Schule angekommen bin, hat mein Schulalltag mit meinen anderen vierzehn Mitschülern und meiner persönlichen Individualbegleitung begonnen. Aber was ist überhaupt eine Individualbegleitung? Hm… Der Begriff sagt eigentlich schon alles. Es handelt sich um eine individuelle Begleitung für alle (schulischen) Lebenslagen, eine pädagogische Fackkraft, die nur für mich und meine Bedürfnisse eingestellt war. Sie hat mich im schulischen Alltag unterstützt und begleitet. Meine helfende Hand sozusagen. Den ganzen Tag war sie an meiner Seite, wie zum Beispiel in der Pause oder im Unterricht, da ich wegen meiner Spastik nicht so leserlich schreiben konnte. Mein Stundenplan bestand meistens aus sechs normalen Schulstunden und hatte somit auch keinen anderen Schulalltag, als ein „ganz normales“ Kind ohne Behinderung.
Im Nachhinein betrachtet war meine Schulzeit eine schöne Zeit, in der ich erfahren habe, dass man von klein auf so angenommen wird, wie man ist. Dabei war egal ob mit oder ohne Behinderung. Ich wurde einfach als Kind gesehen.