Gelebte Inklusion

„Inklusion“ Wo fängt es an und wo hört es auf? Was bedeutet dieses Wort überhaupt? Inklusion bedeutet für mich, dass jeder von uns ganz selbstverständlich dazu gehört und jeder überall dabei sein kann. Alle die gleichen Möglichkeiten, gleichen Zugänge, gleichen Chancen haben und selbst verantwortlich sind wenn sie etwas nicht nutzen. Wie man schon im Beitrag „AKZEPTANZ“ erfahren hat. Ist Akzeptanz eines der wichtigsten Dinge bei diesem Thema. Ich durfte erfahren, wie es ist akzeptiert zu werden und wie es ist Inklusion zu leben.
Die Festhalle Schmidt in Landshut ist für mich das beste Beispiel für Inklusion. Vor zwei Jahren hat die Stadt Landshut besser gesagt Festwirt Patrick Schmidt zum ersten Mal eine Dultprinzessin gesucht. Klar ist Dultprinzessin keine große Sache. Aber es ging mir auch viel weniger um den Titel oder die Aufmerksamkeit. Ich wollte damit einfach ein Zeichen setzen. Also hab ich mich beworben.
Mit dem Gedanken „Ich gewinne eh nicht“, „Ich entspreche ja auch gar nicht dem Bild“ , und „wieso sollte denn so jemand wie ich Dultprinzessin werden!?“. Irgendwann kam der Zeitpunkt der Abstimmung, die über eine Facebook Seite der Festhalle Schmidt lief. Es gab 27 Konkurrentinnen. Als man bemerkte, dass ich so bin wie ich bin, kamen oft Beleidigungen, von wegen „Was will denn die da?“ „Die kann doch eh nichts! Am besten, sie wird disqualifiziert“. Im ersten Moment war das sehr verletzend, gerade weil mir mein Umfeld oft das Gefühl gab, ich könnte so ein Amt nicht wirklich ausüben. Und mal ganz ehrlich… Wer traut denn sowas einer Rolli Fahrerin auch zu?. Aber ich bin eine 𝐾𝑎̈𝑚𝑝𝑓𝑒𝑟𝑖𝑛! Eine, die sich von nichts und niemandem unterkriegen lassen will. Also lief die Abstimmung weiter und ich sammelte mehr und mehr Stimmen.
Bis zu einem gewissen Zeitpunkt, nämlich ab dem Zeitpunkt als die Wahl manipuliert wurde. Zwei Kandidatinnen, darunter auch ich, hatten plötzlich mehrere 100 Fakestimmen. Man behauptete, ich sei selbst dafür verantwortlich. Meine Eltern waren von dem Ganzen anfangs nicht begeistertt, trotz allem hat Familie Schmidt immer zu mir gehalten. Nun wurde die Wahl nochmal neu aufgerollt Die zweite Wahl lief über die offizielle Website des Festwirts. An einem Freitag, Ende April, war der letzte Tag der Wahl gekommen. An dem Tag begann meine Erfahrung der gelebten Inklusion. Ich habe mit unglaublichen 1111 Stimmen tatsächlich gewonnen. Ich war die erste Landshuter Dultprinzessin und das als Rollstuhlfahrerin. Beeindruckend oder? Ich konnte es selbst nicht wirklich realisieren und war überwältigt. Auch heute denke ich mir noch unfassbar.
Am 1. Mai 2019 war dann der Tag der Tage: die Eröffnung der Landshuter Dult. Festwirt Patrick Schmidt hat mich also zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt ohne jeglichen Zweifel oder Vorbehalte. Klar, wird man immer wieder mal blöd angeschaut. Das war aber sowohl mir, als auch Patrick Schmidt egal. Ich dachte mir: Jetzt erst recht! Alle reden zwar immer von Inklusion, es wird Werbung damit gemacht, aber in der Realität passiert keine Umsetzung. Diese Geschichte hat mir allerdings bewiesen, dass es doch noch Menschen in der Gesellschaft gibt, denen Inklusion am Herzen liegt.
Familie Schmidt selber sagt: „Am Anfang war der erste Gedanke: Okay die Mel sitzt im Rollstuhl. Der zweite Gedanke: Is doch total egal!!!
Alle waren aufgeregt, als das erste Treffen bevor stand. Aber wir haben uns alle von Anfang an super verstanden. Auch unsere Kinder haben Mel sofort ins Herz geschlossen. Klar, war am Anfang die Frage im Raum gestanden: Wie verhalten wir uns gegenüber unserer Dultprinzessin? Verstehen wir sie alle? Kann ich sie umarmen? Aber schnell war klar, wenn man will, dann versteht man sie. Man darf nur keine Scheu haben. Wie man in Bayern so schön sagt: *Scheiß’ da nix, dann feid da nix.*
Jetzt aber zu Mel selber…. Sie ist inzwischen eine Freundin der Familie geworden, selbst unsere Kinder freuen sich heute noch, wenn sie Mel sehen. Kuscheln mit ihr… Wir schätzen sie, wir lieben es ihren Instagram Account zu verfolgen, weil sie so viel unterwegs ist und so coole Sachen macht. Wir finden einfach Mel ist ein Vorbild für alle die ein Handicap haben. Jeder sollte sein Leben genießen und sich nicht aufgeben.
Wir sagen zu ihr immer „𝐺𝑜 𝑓𝑜𝑟 𝑖𝑡 𝐺𝑖𝑟𝑙!“

𝐷𝐴𝑁𝐾𝐸 Patrick u. Steffi Schmidt für die lieben Worte und dass ihr mir das ermöglicht habt. Dass ihr mir gezeigt habt, dass es Inklusion gibt, dass man hoffen kann, dass Inklusion nicht nur gesprochen und geschrieben wird, sondern es tatsächlich gelebt werden kann.

Foto: Bianca Follrich https://www.instagram.com/follformat/