Am 05.02.1998 wurde ich geboren im Krankenhaus Vilsbiburg. Obwohl die Hebame und ein weiterer Arzt schon anfangs der Schwangerschaft zum Kaiserschnitt rieten, weil ich in einer Steißlage lag, entschied sich der damalige Belegschaftsarzt für eine normale Geburt. (Dies war seine erste und letzte Geburt.) Als mein Unterkörper schon da war, blieb ich plötzlich ab dem Brustbereich stecken und bekam ab diesem Moment zu wenig Sauerstoff. Dadurch musste ich nach der Geburt sofort nach Landshut ins Krankenhaus verlegt werden und wurde an den Inkubator angeschlossen, damit ich genug Sauerstoff bekam. Dabei stellte man fest, dass ich von der anstregenden Geburt eine beidseitige Plexuslähmung (Verletzung des Armnervengeflechtes) mit davon getragen habe. Auch nach den darauf folgenen Tagen war mein Hals noch rot und mein rechter Arm kaum beweglich, trotz täglicher Physiotherapie. Man konnte die Überstreckung einfach nicht beheben. Und damit kristallisierte sich mehr und mehr die Tatsache heraus, dass ich nie ein normales Kind werden würde. Man sagte, ich würde niemals normal essen und trinken können, und hat mir über eine Magensonde Nahrung zugefügt. Als ich dann nach sechs langen Wochen des Hoffen und Bangen nach Hause kam, wollten meine Eltern einfach nicht wahrhaben, dass ich nicht essen und trinken könnte und haben mir so lange Nahrung gegeben bis ich endlich einen Schluckreflext entwickelt hatte. Von da an ging es Berg auf. Ich konnte immer mehr selber leisten. Meine Eltern und ich haben die Hoffnung nie aufgegeben, worüber ich meinen Eltern sehr Dankbar bin und so entstand mein Lebensmotto „𝑁𝑒𝑣𝑒𝑟 𝑔𝑖𝑣𝑒 𝑢𝑝“!
Im letzten Beitrag habe ich euch schon einen kleinen Einblick gegeben, wie es ist jemanden kennenzulernen und von ihm so akzeptiert zu werden, wie man ist … Aber in diesem Beitrag erzähl ich euch, wie man in der 𝐷𝑎𝑡𝑖𝑛𝑔 Welt wahrgenommen wird, wenn man nicht der Norm entspricht. Den Wunsch nach der großen Liebe, nach Zärtlichkeiten oder einfach nach körperlicher Nähe hat ja irgendwie jeder. Heutzutage ist es fast schon normal, dass wir die Dating Apps öffnen und durch die verschiedenen Profile scrollen. Dadurch erhofft man sich meistens irgend eine Art und Weise der Bestätigung oder Nähe zu bekommen. Aber ich könnte euch tausend Storys erzählen, wie schwer es als Mensche mit Behinderung sein kann. Häufig erlebe zumindest ich Ablehnung von anderen in Bezug auf meinen Rollstuhl. Gerade in der Dating Welt geht’s für mich auch irgendwie um Inklusion und Akzeptanz. Ich weiß, dass diese schöne Onlinewelt sehr oberflächlich tickt. Genau aus diesem Grund traut man sich als Mensch mit Behinderung wahrscheinlich auch erst gar nicht auf solchen Plattformen unterwegs zu sein. Ich persönlich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem ich sage „Zeig doch den Rollstuhl, sollen sie doch sehen was auf sie zukommt! Na und?!“ Das war aber nicht immer so. Als ich diese „normalen“ 𝐷𝑎𝑡𝑖𝑛𝑔 Apps für mich entdeckt habe, hatte ich nicht den Mut mich im Rollstuhl zu zeigen. Jeder kann sehen dass ich im Rollstuhl sitze, dass ich anders als andere bin! Nein… Sich zu verstecken nur weil man mehr Chancen hat, ist auf keinen Fall der richtige Weg. Das ist mir klar geworden. Aber genau dieses 𝑆𝑒𝑙𝑏𝑠𝑡𝑏𝑒𝑤𝑢𝑠𝑠𝑡𝑠𝑒𝑖𝑛 hat sich erst über die Jahre hinweg entwickelt, sodass ich jetzt dazu stehen kann, wer ich bin. Klar, ist es schwierig, weil man oft erst geliket wird und wenn man dann dem jenigen zurück liket, ist man plötzlich blockiert. Das macht natürlich was mit einem, da steckt schließlich ein Mensch mit seinem individuellen Charakter dahinter. Aber ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass ich es in solchen Situationen automatisch auf die Behinderung beziehe. Dann stellt sich auch immer irgendwie die Frage, wer macht den ersten Schritt…? Ich persönlich bin beim Daten noch ein bisschen alte Schule und warte bis der Mann den ersten Schritt macht. Man will ja erobert werden ;-). Wenn es dann zu einem Treffen kommt, weiß man(n) häufig nicht wie man(n) reagieren soll. Durch die meist neue Situation erlebe ich regelmäßig Berührungsängste und Unsicherheiten, wodurch ich selbst auch weiter verunsichert werde. Aber um aufs Thema zurück zu kommen: Ich wünsche mir einfach, dass man als Mensch mit Behinderung den Mut hat, sich zu zeigen, gerade weil diese oberflächliche 𝐷𝑎𝑡𝑖𝑛𝑔-Welt und Internet-Welt oft so makellos erscheint. Dazu braucht man aber ein positives Umfeld, das einem beim Aufbau eines grundlegenden 𝑆𝑒𝑙𝑏𝑠𝑡𝑏𝑒𝑤𝑢𝑠𝑠𝑡𝑠𝑒𝑖𝑛𝑠 unterstützt…
„Glaube“ ist ein großer Begriff, der vieles sein kann. Er hat in der jetzigen Zeit einem ganz anderen Stellenwert als früher. Aber was ist Glaube eigentlich? Oder warum soll ich überhaupt an irgendetwas glauben, das ich gar nicht sehen kann? Ich persönlich habe meinen eigenen Weg mit dem Glauben bzw mit Jesus gefunden. Klar, kann ich niemandem vorschreiben, dass er gläubig wird und dass es Gott gibt, aber meiner Meinung nach ist er mitten unter uns, er ist das Leben. Mein Glaube erleichtert schon sehr viel im Leben. Aber wie findet man seinen Weg mit dem Glauben? Das ist eine schwierige Frage, weil ich finde, man sollte es auch wirklich zulassen können. Es gibt viele, die meinen zu wissen, dass es reicht, wenn man alle paar Monate in die Kirche geht. Das ist aber nicht so! Ich muss ganz ehrlich sagen, in der jetzigen Zeit in so einer schnelllebigen Zeit wie jetzt werde ich oft belächelt, wenn ich sage, „Ich glaube an Gott!“ (das ehrlich gesagt, aber auch nicht immer so war, zugegeben). Nach dem Teenageralter, wo ich mich oft allein und verlassen gefühlt habe, lernte ich eine Freundin kennen. Sie nahm mich an die Hand und hat mir den Weg gezeigt. Von diesem Augenblick an wusste ich, wie wichtig Glaube eigentlich ist und die Tatsache zu wissen, ich bin nie alleine. Jesus ist so viel mehr als man denkt. Ich bin ehrlich, ich hab leider auch manchmal Zweifel an ihm, weil ich mir denke: „warum hast du mich behindert gemacht!?“ Aber trotz allem weiß ich, dass es irgendeinen Sinn hat. Er hat einen Plan mit mir! Ich vertraue ihm, von der ersten Sekunde an war er an meiner Seite. Mein treuester Begleiter eben. Ich weiß, mit dem heutigen Thema werde ich vielleicht nicht jeden von euch erreichen, aber ich habe die Erfahrung machen dürfen, dass mein Glaubensweg für mich die richtige Entscheidung war.
Glücklich sein ist das wichtigste! So wird es zumindest immer gesagt. Aber sind wir wirklich glücklich? Das ist die Frage, die uns alle irgendwie beschäftigt. Wenn man so wie ich mit dem Rollstuhl leben gelernt hat, ist die Definition vom Glück wahrscheinlich ganz anderes als ohne. Ich selbst frag mich oft „Mel, bist du wirklich glücklich?“ Am Ende des Tages ist die Antwort meistens mit vielen Selbstzweifeln schlicht weg „Nein, nicht so wirklich!“ Aber warum eigentlich? Ich kann doch eigentlich alles, außer laufen. In meiner Welt wird man täglich mit vielen schlimmen Schicksalsschlägen konfrontiert, als wie ich sie selbst erlebe. So dass ich mich selbst frage „wo ist dein Problem? Du kannst doch alles und trotzdem bist du unzufrieden?!“ Wenn man mich heute fragen würde, wann warst du so richtig glücklich, würde ich wahrscheinlich ohne zu überlegen antworten: in meiner Kindergartenzeit. Alleine aus dem Grund, weil ich zu der Zeit als Person, die ich bin, gesehen wurde ohne irgendwelche komischen Zurückhaltungen oder Sonderbehandlungen. Hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber so ist nun mal die Realität. Ich hatte keinen Rollstuhl und war, wie jedes andere Kind. Natürlich ist man somit auch mehr akzeptiert worden. Leider wurde mir dadurch auch gezeigt, dass Glück vergänglich ist. Menschen, die man Freunde genannt hat, haben sich plötzlich abgegrenzt. Diese Erfahrung schmerzt bis heute, aber hat mich geprägt und zu der gemacht, die ich jetzt bin. Das ist vielleicht auch der Grund , wieso ich es schwierig finde dieses GLÜCKLICHSEIN auf ein paar bestimmte Jahre festzulegen. Weil ich finde, man bekommt vom Leben so viele Glücksmomente geschenkt, aber oft weiß man es erst im Nachhinein zu schätzen. Ich muss zugeben, dass ich mich manchmal selbst erwische, wie ich mich frage „warum ist dein Wunsch nach dem perfekten Leben so groß?“ Man ist doch gut, so wie man ist! Vor kurzem erst hatte ich wieder ein Gespräch mit jemanden ohne Behinderung, dass man sich als nicht Behinderter nur schwer in diese Lage hineinversetzen kann. Was für mich völlig ok ist, ich kann mich schließlich auch nicht in die Situation von jemanden ohne Behinderung hinein versetzen. Sicher ist Akzeptanz eines der wichtigsten Dinge in unserem Miteinander, aber es ist der Wille akzeptieren zu können und akzeptiert zu werden. Das erzähl ich euch aber dann in einem weiteren Beitrag. Weil man merkt schon irgendwie hängt alles zusammen. Die Selbstzweifel, die man sich angeeignet hat, die Erfahrungen und Schicksalsschläge, die einen geprägt haben, die Akzeptanz eines jeden einzelnen, was man als Glück sieht. Blickt man auf sein gesamtes bisheriges Leben, neigt man wahrscheinlich eher dazu die negativen Dinge zu sehen als die positiven. Wenn man sich selbst dann fragt, ob man glücklich ist.. Klar, dass die Antwort eher negativ als positiv sein wird. Ich muss mich selber immer wieder dran erinnern, auch an die kleinen Momente zu denken, ich finde diese sollte man auch nicht untergehen lassen.
„Inklusion“ Wo fängt es an und wo hört es auf? Was bedeutet dieses Wort überhaupt? Inklusion bedeutet für mich, dass jeder von uns ganz selbstverständlich dazu gehört und jeder überall dabei sein kann. Alle die gleichen Möglichkeiten, gleichen Zugänge, gleichen Chancen haben und selbst verantwortlich sind wenn sie etwas nicht nutzen. Wie man schon im Beitrag „AKZEPTANZ“ erfahren hat. Ist Akzeptanz eines der wichtigsten Dinge bei diesem Thema. Ich durfte erfahren, wie es ist akzeptiert zu werden und wie es ist Inklusion zu leben. Die Festhalle Schmidt in Landshut ist für mich das beste Beispiel für Inklusion. Vor zwei Jahren hat die Stadt Landshut besser gesagt Festwirt Patrick Schmidt zum ersten Mal eine Dultprinzessin gesucht. Klar ist Dultprinzessin keine große Sache. Aber es ging mir auch viel weniger um den Titel oder die Aufmerksamkeit. Ich wollte damit einfach ein Zeichen setzen. Also hab ich mich beworben. Mit dem Gedanken „Ich gewinne eh nicht“, „Ich entspreche ja auch gar nicht dem Bild“ , und „wieso sollte denn so jemand wie ich Dultprinzessin werden!?“. Irgendwann kam der Zeitpunkt der Abstimmung, die über eine Facebook Seite der Festhalle Schmidt lief. Es gab 27 Konkurrentinnen. Als man bemerkte, dass ich so bin wie ich bin, kamen oft Beleidigungen, von wegen „Was will denn die da?“ „Die kann doch eh nichts! Am besten, sie wird disqualifiziert“. Im ersten Moment war das sehr verletzend, gerade weil mir mein Umfeld oft das Gefühl gab, ich könnte so ein Amt nicht wirklich ausüben. Und mal ganz ehrlich… Wer traut denn sowas einer Rolli Fahrerin auch zu?. Aber ich bin eine 𝐾𝑎̈𝑚𝑝𝑓𝑒𝑟𝑖𝑛! Eine, die sich von nichts und niemandem unterkriegen lassen will. Also lief die Abstimmung weiter und ich sammelte mehr und mehr Stimmen. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt, nämlich ab dem Zeitpunkt als die Wahl manipuliert wurde. Zwei Kandidatinnen, darunter auch ich, hatten plötzlich mehrere 100 Fakestimmen. Man behauptete, ich sei selbst dafür verantwortlich. Meine Eltern waren von dem Ganzen anfangs nicht begeistertt, trotz allem hat Familie Schmidt immer zu mir gehalten. Nun wurde die Wahl nochmal neu aufgerollt Die zweite Wahl lief über die offizielle Website des Festwirts. An einem Freitag, Ende April, war der letzte Tag der Wahl gekommen. An dem Tag begann meine Erfahrung der gelebten Inklusion. Ich habe mit unglaublichen 1111 Stimmen tatsächlich gewonnen. Ich war die erste Landshuter Dultprinzessin und das als Rollstuhlfahrerin. Beeindruckend oder? Ich konnte es selbst nicht wirklich realisieren und war überwältigt. Auch heute denke ich mir noch unfassbar. Am 1. Mai 2019 war dann der Tag der Tage: die Eröffnung der Landshuter Dult. Festwirt Patrick Schmidt hat mich also zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt ohne jeglichen Zweifel oder Vorbehalte. Klar, wird man immer wieder mal blöd angeschaut. Das war aber sowohl mir, als auch Patrick Schmidt egal. Ich dachte mir: Jetzt erst recht! Alle reden zwar immer von Inklusion, es wird Werbung damit gemacht, aber in der Realität passiert keine Umsetzung. Diese Geschichte hat mir allerdings bewiesen, dass es doch noch Menschen in der Gesellschaft gibt, denen Inklusion am Herzen liegt. Familie Schmidt selber sagt: „Am Anfang war der erste Gedanke: Okay die Mel sitzt im Rollstuhl. Der zweite Gedanke: Is doch total egal!!! Alle waren aufgeregt, als das erste Treffen bevor stand. Aber wir haben uns alle von Anfang an super verstanden. Auch unsere Kinder haben Mel sofort ins Herz geschlossen. Klar, war am Anfang die Frage im Raum gestanden: Wie verhalten wir uns gegenüber unserer Dultprinzessin? Verstehen wir sie alle? Kann ich sie umarmen? Aber schnell war klar, wenn man will, dann versteht man sie. Man darf nur keine Scheu haben. Wie man in Bayern so schön sagt: *Scheiß’ da nix, dann feid da nix.* Jetzt aber zu Mel selber…. Sie ist inzwischen eine Freundin der Familie geworden, selbst unsere Kinder freuen sich heute noch, wenn sie Mel sehen. Kuscheln mit ihr… Wir schätzen sie, wir lieben es ihren Instagram Account zu verfolgen, weil sie so viel unterwegs ist und so coole Sachen macht. Wir finden einfach Mel ist ein Vorbild für alle die ein Handicap haben. Jeder sollte sein Leben genießen und sich nicht aufgeben. Wir sagen zu ihr immer „𝐺𝑜 𝑓𝑜𝑟 𝑖𝑡 𝐺𝑖𝑟𝑙!“
𝐷𝐴𝑁𝐾𝐸 Patrick u. Steffi Schmidt für die lieben Worte und dass ihr mir das ermöglicht habt. Dass ihr mir gezeigt habt, dass es Inklusion gibt, dass man hoffen kann, dass Inklusion nicht nur gesprochen und geschrieben wird, sondern es tatsächlich gelebt werden kann.
Heute gibt’s einen neuen Teil von Alltagstipps für Rollstuhlfahrer. Ich weiß, dass man als Außenstehender oft denkt man könne etwas falsch machen, wenn man Menschen mit Behinderung begegnet. Aber die Frage ist, wie verhalte ich mich eigentlich als Rollstuhlfahrer in so einer Situation?.
𝑆𝑡𝑒ℎ 𝑧𝑢 𝑑𝑖𝑟 Oft ist es als Mensch mit Behinderung im Alltag gar nicht so einfach sich selbst so zu akzeptieren wie man ist. Es ist schwer zu sich selbst zu stehen und seine eigene Meinung zu haben. Aber das ist wichtig. Versuch also selbstbewusst zu dir zu stehen und sag ganz klar: „Hey, das ist meine Meinung und ich lasse mich nicht vom Gegenteil überzeugen!“
𝐺𝑖𝑏 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑎𝑢𝑓 Vielen Rollstuhlfahrern fällt es schwer ihre Ziele zu erreichen bzw. zu verfolgen, weil man täglich vor große Herausforderungen gestellt wird. So verliert man schnell den Mut oder die Geduld sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren und zu kämpfen… Klar ist es einfacher, wenn man aufgibt und sich zurück zieht. Aber muss das denn wirklich sein? Ich sage NEIN! Also steht auf und verfolgt eure Ziele, egal wie schwer es ist.
𝐿𝑖𝑒𝑏 𝑑𝑖𝑐ℎ 𝑠𝑒𝑙𝑏𝑠𝑡 𝑠𝑜 𝑖𝑒 𝑑𝑢 𝑏𝑖𝑠𝑡 Ein Mensch mit Behinderung hat oft das Gefühl er entspreche nicht dem Ideal. Aber warum sollte man denn als Mensch mit Behinderung weniger schön sein, als einer ohne Behinderung? Schönheit liegt doch im Auge des Betrachters. Geh raus und zeig dich, sei stolz auf dich!
Jeder der mich persönlich kennt, weiß, dass ich sehr selbstbewusst bin. Leider fehlt dieses Selbstbewusstsein vielen Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung… Am Ende des Tages sind wir alle auf unsere Art und Weise einzigartig!
Wie ist das denn eigentlich im Schulalltag als Mensch mit Behinderung? Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich die Frage im ersten Moment nicht so ganz verstanden habe, weil ich mir denke: „Was soll denn bei mir anders sein, als bei anderen?“. Aber klar, als Außenstehender ist meine Situation wahrscheinlich nicht so leicht nachzuvollziehen. Deswegen versuche ich euch in diesem Beitrag einen kleinen Einblick in meine Alltagssituationen zu geben. Ich war von der 1. bis zur 6. Klasse im Papst Benedikt Förderzentrum der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg. Das ist eine Einrichtung für Kinder mit körperlichen und motorischen Einschränkungen. Neben einer guten schulischen Ausbildung und der individuellen Förderung, legt die Papst Benedikt Schule großen Wert auf Gleichberechtigung, sodass die Kinder und Jugendlichen an der Gesellschaft teilhaben können. Dort habe ich mich mit meiner Behinderung genauso angenommen gefühlt, als wäre ich ein ganz „normales“ Kind ohne Behinderung. In der Früh bin ich mit einem Schulbus in die Schule gefahren. Natürlich war es ein Schulbus für Rollstuhlfahrer. Als ich in der Schule angekommen bin, hat mein Schulalltag mit meinen anderen vierzehn Mitschülern und meiner persönlichen Individualbegleitung begonnen. Aber was ist überhaupt eine Individualbegleitung? Hm… Der Begriff sagt eigentlich schon alles. Es handelt sich um eine individuelle Begleitung für alle (schulischen) Lebenslagen, eine pädagogische Fackkraft, die nur für mich und meine Bedürfnisse eingestellt war. Sie hat mich im schulischen Alltag unterstützt und begleitet. Meine helfende Hand sozusagen. Den ganzen Tag war sie an meiner Seite, wie zum Beispiel in der Pause oder im Unterricht, da ich wegen meiner Spastik nicht so leserlich schreiben konnte. Mein Stundenplan bestand meistens aus sechs normalen Schulstunden und hatte somit auch keinen anderen Schulalltag, als ein „ganz normales“ Kind ohne Behinderung. Im Nachhinein betrachtet war meine Schulzeit eine schöne Zeit, in der ich erfahren habe, dass man von klein auf so angenommen wird, wie man ist. Dabei war egal ob mit oder ohne Behinderung. Ich wurde einfach als Kind gesehen.
„Mel, woher nimmst du deine Lebensfreude?“ Schwierige Frage, weil ich mir ehrlich gesagt noch nie so wirklich Gedanken darüber gemacht habe. In meinem Beitrag „Selbstfindung“ bin ich schon bisschen auf das Thema eingegangen. Ich habe euch auch schon erzählt, dass es in meiner Pupertät nicht immer so war, dass ich die Lebensfreude hatte, wie ich sie jetzt habe. Aber ganz ehrlich, es bringt mir doch auch nichts, wenn ich die ganze Zeit im Zimmer sitze und mir denke: „Ich will nicht mehr… „. Ich habe einfach meine Denkweise geändert und mir gesagt: „Aufgeben kann ja jeder. Aber du nicht! Niemals!“ Klar, ist es leichter gesagt als getan. Ich persönlich habe inzwischen sehr viel an Selbstbewusstsein dazu gewonnen, und dadurch habe ich die Einstellung bekommen: „Mach es einfach! Wenns schief geht, gehts halt schief. Wenns klappt, klappt’s.“ Aber ich glaube, dass dafür oft die Angst im Weg steht. Ich persönlich hatte das Glück, dass mich meine Eltern nie wirklich zurückhielten. Sie haben mich meine Erfahrungen machen lassen. Z. B. sagt meine Mama immer zu mir: „Du machst das schon! Ich vertrau dir!“ Und somit hatte bzw habe ich nie das Gefühl, ich muss vor irgendwas Angst haben. Aber was ich damit sagen möchte, dass Angst haben etwas naturliches ist und auch ein Schutz, aber die Angst sollte nicht das Leben kontrollieren. 𝑀𝑒𝑖𝑛 𝐺𝑒ℎ𝑒𝑖𝑚𝑟𝑒𝑧𝑒𝑝𝑡 ist einfach erstmal alles mit Humor nehmen, einen kühlen Kopf zu bewahren, ruhig zu bleiben und dann je nach Situation zu entscheiden was oder wer mir helfen könnte. Ich glaub meine Lebensfreude kommt deshalb genau daher, ich lasse mich nicht von meiner Angst und meinen Sorgen leiten, ich versuche alles mit Humor zu nehmen und Dinge nicht zu ernst zu nehmen. Dadurch gehe ich offener durch die Welt, trau mich mehr und erlebe Dinge, werde darin bestärkt, dass diese Art und Weise zu leben richtig für mich ist (natürlich gibt es auch Ausnahmen, wo ich vlt nicht ohne Nachdenken was tun sollte) und gehe selbstbewusster durchs Leben.
Ich frage euch ja immer wieder mal, welche Themen euch so interessieren. Ein Wunsch waren Alltagstipps. Ich denke mir, als Außenstehender hat man oft Angst was falsch zumachen, wenn man Menschen mit Behinderung begegnet. Aber wie verhalte ich mich eigentlich als Rollstuhlfahrer??
𝑆𝑒𝑖 𝑓𝑟𝑒𝑢𝑛𝑑𝑙𝑖𝑐ℎ Es ist bei vielen leider nicht selbstverständlich, dass man sich bedankt, wenn man z. B. die Tür aufgehalten bekommt. Sei also freundlich, auch wenn du es vielleicht als Rollstuhlfahrer selbstverständlich hältst oder auch selber könntest.
𝐿𝑎̈𝑐ℎ𝑙𝑒 In meiner Kindheit wurde ich auch oft angestarrt… Ich habe damals einfach zurückgestarrt, nichts gesagt oder auch gelächelt. Es ist wichtig, dass Kinder hinschauen dürfen und können. Und dass wir sie nicht zurückstoßen oder sogar Angst machen. Vielleicht habe ich das auch ab und zu durch mein Starren gemacht. Immer kann man halt auch nicht lächeln. Aber wie sollen Kinder als Erwachsene mal auf Menschen mit Behinderung zugehen können oder lernen, dass wir auch Menschen sind mit denen man reden und was unternehmen kann, wenn wir sie erschrecken und auf Abstand halten!?
𝑇𝑟𝑎𝑢 𝑑𝑖𝑐ℎ In manchen Situationen ist es für uns Rollstuhlfahrer eine große Überwindung, um Hilfe zu bitten oder anzunehmen. Manchmal steht man beim Einkaufen 10 Minuten vorm Regal und möchte nicht nach Hilfe fragen. Aber meistens reicht schon ein „Hallo“ oder „können Sie mir bitte helfen ?“. Auch wenn es Überwindung kostet, also nimm deinen Mut zusammen. Trau dich andere Leute anzusprechen, und versuche Hilfe anzunehmen.
Ich persönlich muss auch oft akzeptieren, dass ich von anderen Hilfe annehmen muss. Z,b war ich letztes Wochenende im Kino. Der Kinosaal, in dem unser Film lief, war im Keller und der Aufzug funktionierte nicht. Also fragte mich meine Begleitung ob es okay wäre wenn sie mich runter tragen würde. Mein erster Gedanke war, „klar, geht ja nicht anders!“ Aber hätte ich das nicht zugelassen, wären wir wahrscheinlich in einen anderen Film gegangen mit dem Gedanken, dass wegen dem Rollstuhl wieder umgeplant werden musste. Aber was ich damit sagen will ist, dass man sich als Mensch mit Behinderung im Alltag oft überwinden muss, Hilfe anzunehmen. Klar, es ist nicht immer einfach und es nervt auch. Aber es ist kein Weltuntergang. Es ist etwas alltägliches für jeden von uns egal ob mit oder ohne Behinderung. Und vielleicht können wir dadurch Außenstehende auch die Angst nehmen oder die Bedenken, wie sie sich uns gegenüber verhalten sollen, wenn wir auch auf sie zu gehen. Natürlich ist es immer abhängig von wem man Hilfe angeboten bekommt, und in welcher Situation man steckt.
Sich selbst zu finden, zu sich finden, ist eins der wichtigsten Themen, damit man als eigene Person gesehen wird und für seine Meinung selbst einstehen kann. Aber dafür muss sich meiner Meinung nach, nicht nur die Gesellschaft an die Nase fassen und alle akzeptieren. Jeder einzelne von uns muss an sich selbst arbeiten, sich selber finden. Wissen, was ich will und wo ich hin will. Wie soll sonst die Gesellschaft das wissen und sich verändern? Gerade in meiner Situation mit Behinderung, war es nicht immer leicht, sich zu finden und für sich selbst einzustehen. Aber was bleibt mir denn anderes übrig? Ich hatte zwei Optionen: Entweder ich bin eine eigenständige Person, die zu seiner Entscheidung steht oder ich lasse mich ein Leben lang von meinem Umfeld bevormunden. Was ich ja eh schon irgendwie tun muss. Aber wie findet man sich eigentlich selber? Ehrlich gesagt, keine Ahnung! Es gibt schließlich kein Patentrezept. Wenn ich ehrlich bin glaube ich, dass man ein Leben lang nach sich selbst immer wieder neu findet, finden muss. Manchmal ist es leicht, aber manchmal auch verdammt schwer. Ich kann euch nur erzählen, dass ich mich auf den Weg zur Selbstfindung gemacht habe. Ich sage extra auf den Weg, denn Selbstfindung ist nie wirklich abgeschlossen. Es ist ein Prozess. Ein Prozess über Jahre bis man sagen kann: „Ich bin die, die ich bin und dazu stehe ich!“ Wie schon gesagt, auch bei mir ist dieses Kapitel Selbstfindung noch lange nicht so richtig abgeschlossen. Dass es nicht leicht ist, soll euch aber nicht entmutigen. Denn es lohnt sich! Es macht einen stärker, man ist stolz auf sich, man weiß, wer man ist und was man will und kann danach handeln. Man erfährt auch so viel über sich und lernt sich selber eigentlich erst richtig kennen. Wieso reagiere ich z.B. Auf irgendwas so allergisch? Man kann sich gegenüber anderen behaupten und wer kennt das nicht, dass man sich irgendwie rechtfertigen soll?! Aber wie soll man sich rechtfertigen können, wenn man z.B. einfach nur die Meinung von anderen nachplappert ohne Beweggründe zu kennen? Und letztendlich geht es aber darum, wie soll ich meinen eigenen Weg finden und gehen, wenn ich nicht weiß, was das Beste für mich ist und ich mich einfach durch andere leiten lasse, nur weil es bequem ist. Ich persönlich bezeichne mich schon immer als Einzelkämpfer. Klar, die meisten von euch glauben, ich bin immer selbstbewusst, lasse mich von nichts und niemandem unterkriegen, mach mein Ding. Aber am Ende des Tages habe auch ich dunkle Stunden, fühle mich alleine, hab Sorgen und Ängste, die ich im Alltag bewusst mit einem Lächeln überspielen und ich in den Momenten auch wieder daran erinnern muss, an mich zu glauben, meinen Weg zu gehen und auf mich und mein Herz hören muss. In diesen Momenten hilft mir die Musik. Genauer gesagt dieser eine Song, der mich schon über einige Jahre begleitet „GLAUB AN DI!“ von den Bayerischen Löwen. Dessen Bedeutung auf den ersten Blick eigentlich nicht so deutlich zu hören ist (für manche vielleicht auch nicht, weil es bayerisch ist :). Aber wenn man es in Ruhe anhört, dann ist die Botschaft schon recht deutlich. Glaub an dich, hör auf dein Herz, denn dein Herz weiß, was das Beste für dich ist. Geh deinen Weg! Also Leute, macht euch auf den Weg. Den Weg zur Selbstfindung und damit zu einer eigenständigen Person mit ihrem persönlichen Weg und letztendlich auch auf einen Platz in der Gesellschaft, in der man nicht mehr unsichtbar ist.
Wie schon im letzten Beitrag „Glücklich sein“ angedeutet, ist die Akzeptanz eines der wichtigsten Dinge in unserem Miteinander und auch der Wunsch danach, akzeptiert zu werden, ist groß. Dieses Wort Akzeptanz ist etwas, was man schnell sagt, aber handelt man auch so? Für die meisten ist es einfach nur ein Wort, dessen Bedeutung vielleicht gar nicht so bewusst ist. Manche werden sich vielleicht denken: „Akzeptanz, selbstverständlich, ist doch ganz klar.“ Aber ich habe die Erfahrung, so richtig akzeptiert zu werden, erst relativ spät machen dürfen und die Bedeutung ist mir da eigentlich erst bewusst geworden. Ich werde heute noch sehr emotional, wenn ich bloß daran denke, obwohl es eigentlich nur eine Kleinigkeit ist. Wurdet ihr schon mal von jemanden gefragt, ob ihr einen Schluck von seinem Getränk haben wollt? Womöglich auch in der Öffentlichkeit? Vielleicht auch von jemanden, den man eigentlich gar nicht so wirklich kennt Ich, bis vor zwei Jahren, jedenfalls nicht! Erst gar nicht aus demselben Glas. Ich finde, dass schon bei solche Kleinigkeiten die Akzeptanz schon eine Rolle spielt. Für mich heißt Akzeptanz, dass ich so sein kann wie ich bin. Ohne Berührungsängste oder Scham zu haben, nur weil man nicht wie jeder andere trinken kann. Ich wurde als Person gesehen. Als Erwachsene, die vielleicht auch Lust hat einen schluck Bier zu trinken. Klar, war es nur ein Schluck Bier. Aber für mich war es viel mehr als nur das. Das Zeichen, dass ich nicht nur als Behinderte hingestellt werde. Ich möchte, dass man mich als Person wahrnimmt. Und nicht nur das Ding, in dem ich sitze. Ich muss zugeben, ich fühle mich oft herunter reduziert. Es ist schon fast traurig, dass ich von meinem Umfeld nur als die, die im Rollstuhl sitzt bezeichnet werde. Klar, ist es nicht leicht sich auf jemanden einzulassen, der im Rollstuhl sitzt. Ich glaube aber, wenn der Wille akzeptieren zu können und akzeptiert zu werden, so groß ist, kann man alles schaffen!
Mein Ziel ist es: Jeden einzelnen von euch, der meinen Blog liest, zum Umdenken oder Bewusstmachen des Wortes Akzeptanz anzuregen. Denn mein Wunsch und ich glaube vieler anderer auch ist es einfach nur akzeptiert zu werden.