Bin ich gut genug ?


Bin ich gut genug?
Wer bin ich wirklich? Wieso ist das ausgerechnet mir passiert? Wieso bin ich so? Wieso ist die Welt so ungerecht? Diese Fragen beschäftigen wahrscheinlich jedes Kind, bei mir waren sie jedenfalls ein täglicher Begleiter. Ich hab mit der Zeit immer mehr realisiert, dass ich mit dem Rollstuhl leben lernen muss. Ich hatte ja keine andere Wahl. Aber trotzdem war und ist es auch oft immer noch schwer zu akzeptieren und wahrzuhaben! Wer will das denn auch schon?! Aber ich hab mir immer wieder eingeredet: „Du bist normal!“. Dies wurde jedoch immer wieder von der Gesellschaft zerstört, dazu reichte oft schon ein herablassender Blick oder ein einziges Wort, bis ich nicht mehr konnte und mir selbst eingeredet habe, dass ich nicht „normal“ bin und fiel somit in ein dunkles Loch.
Die Gedanken wie, mich zu verletzten oder sogar mir was anzutun, gerieten in den Vordergrund. Ich hatte das Gefühl nicht angenommen zu werden, ich wusste einfach keinen anderen Ausweg mehr zu haben. Aber woher kommt das überhaupt? Und wer entscheidet eigentlich was normal ist? Und was nicht?. Damit beschäftige ich mich in einem weiteren Beitrag.
Dennoch war die Neugier aufs Leben mit Rollstuhl größer und mein Wunsch bzw. mein Ziel entstand, andere zu motivieren und ein Vorbild zu sein. Dadurch entstand auch mein Kampfgeist zu zeigen, dass man alles erreichen kann, egal ob man im Rollstuhl ist oder nicht. Ich hab schon sehr früh gemerkt, dass „meine Artgenossen“ mehr oder weniger separiert von der normalen Gesellschaft werden. Allein schon diese Fragen wie „Warum hast du keine Freunde, die so wie du sind?“ „Warum musst du immer das Gegenteil sein?“, musste ich mir schon oft anhören. Aber ich wollte einfach nie wie die anderen sein und erst recht nicht in irgendeine Schublade gesteckt werden, die ich nicht bin. Wieso muss man sich eigentlich immer rechtfertigen und erklären, nur weil man etwas anderes für sich im Leben will, als wie von der Gesellschaft erwartet wird?
Die Frage ist doch, was hindert uns daran dazu zu stehen, wie man ist? Ist es etwa die Erwartungshaltung? Oder der Wille immer perfekt zu sein?.
Diese Fragen stell ich mir in einem weiteren Beitrag.

Meine Geschichte

Am 05.02.1998 wurde ich geboren im Krankenhaus Vilsbiburg. Obwohl die Hebame und ein weiterer Arzt schon anfangs der Schwangerschaft zum Kaiserschnitt rieten, weil ich in einer Steißlage lag, entschied sich der damalige Belegschaftsarzt für eine normale Geburt. (Dies war seine erste und letzte Geburt.) Als mein Unterkörper schon da war, blieb ich plötzlich ab dem Brustbereich stecken und bekam ab diesem Moment zu wenig Sauerstoff. Dadurch musste ich nach der Geburt sofort nach Landshut ins Krankenhaus verlegt werden und wurde an den Inkubator angeschlossen, damit ich genug Sauerstoff bekam. Dabei stellte man fest, dass ich von der anstregenden Geburt eine beidseitige Plexuslähmung (Verletzung des Armnervengeflechtes) mit davon getragen habe. Auch nach den darauf folgenen Tagen war mein Hals noch rot und mein rechter Arm kaum beweglich, trotz täglicher Physiotherapie. Man konnte die Überstreckung einfach nicht beheben. Und damit kristallisierte sich mehr und mehr die Tatsache heraus, dass ich nie ein normales Kind werden würde. Man sagte, ich würde niemals normal essen und trinken können, und hat mir über eine Magensonde Nahrung zugefügt. Als ich dann nach sechs langen Wochen des Hoffen und Bangen nach Hause kam, wollten meine Eltern einfach nicht wahrhaben, dass ich nicht essen und trinken könnte und haben mir so lange Nahrung gegeben bis ich endlich einen Schluckreflext entwickelt hatte. Von da an ging es Berg auf. Ich konnte immer mehr selber leisten. Meine Eltern und ich haben die Hoffnung nie aufgegeben,  
worüber ich meinen Eltern sehr Dankbar bin und so entstand mein Lebensmotto „𝑁𝑒𝑣𝑒𝑟 𝑔𝑖𝑣𝑒 𝑢𝑝“!